Samstag, 31. Mai 2008

Sommerfest am Arsch der Welt

Es ist Samstag, ca. 22.30 Uhr und ich sitze alleine in meiner 50qm Wohnung. Eigentlich wäre genau jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich zu fragen, was zur Hölle in meinem Leben eigentlich falsch läuft! Doch ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Es liegt weniger an den 400g Ofenkäse, die ich gerade samt eines Baguette verputzt habe, als vielmehr an dem nervtötenden Szenarium, das sich vor meiner Haustür abspielt.

Beim Einzug vor drei Jahren habe ich zwar die unmittelbare Nähe zum Dorfplatz des 2000-Seelen-Arsch-der-Welt-Kaffs zur Kenntnis genommen, jedoch keine weiteren Bedenken diesbezüglich gehabt. Der heutige Abend belehrt mich erneut eines Besseren.

Es ist Sommerfest am Arsch der Welt. Zum dritten Mal lasse ich diese Tortur nun schon über mich ergehen. Und es wiederholt sich alles bis ins kleinste Detail: Die Ireen Sheer-Coverband, die angetrunkenen Dorfproleten, die im 5-Minuten-Takt vor, neben und über mein Auto urinieren und natürlich die Männer der freiwilligen Feuerwehr, die ungemein verhaltensoriginell die Sirene ihres vorsintflutlichen Gerätewagens um Mitternacht zum Heulen bringen. Freaks!

Besäße ich ein ausreichendes Maß an Niveauflexibilität, würde ich mich betrinken und in die Menge stürzen. Doch was zu viel ist, ist zu viel. Mir bleibt die Option meinen Fernseher lauter zu drehen und zu hoffen, dass nächstes Jahr wenigstens auf Ireen Sheer verzichtet wird.

Mittwoch, 28. Mai 2008

Bitches im Club

Ich bin leicht betrunken. Und das ist gut so. Ich zünde mir eine Zigarette an und fülle meine Lungenflügel mit dem blauen Dunst. Herrlich! In einer Generation Doof Gesellschaft, in der sich Raucher mittlerweile in dunkle Ecken hinter dem "Convenient Centre" am Bahnhof flüchten müssen, um ihre Sucht zu befriedigen, sind das die Momente, die einen Erfahrung wie die Folgende verarbeiten lassen.

Welcher grenzdebile Vollidiot hat eigentlich Handyspeaker erfunden? Nach Minipli-Frisuren, Leoparden-Optik Leggins und Paillettenpullover sind Handyspeaker das neue, ultimative Grauen, das unsere Gesellschaft an den Rand des Abgrunds treibt - und darüber hinaus. Sie sind überall: In der Bahn, im Straßencafé, sogar aus der versifften McDonalds-Klokabine dröhnt Berliner HartzIV-Hip-Hop. Meist sind es pubertierende Gehwegschlampen, die ständig Gefahr laufen, sich mit ihren Zwei-Meter-Creolen in der Zahnspange zu verfangen.

Nachdem ich nach ca. zehn Minuten Bahnfahrt gefühlte 100 mal eine Textzeile über Bitches im Club hab über mich ergehen lassen, frage ich bei der Bordsteinschwalbe in Spe höflich nach, ob sie die gequirlte Scheiße leiser drehen könnte. Sie wird ausfällig und beschimpft mich mit einem äußerst originellen "Fick dich, Alter!".Wo zur Hölle ist eigentlich Katja Saalfrank, wenn man sie braucht?! Ich denke kurz darüber nach, das Corpus Delicti aus dem Kippfenster zu werfen, entscheide mich aber dazu Größe zu zeigen und den guten alten Mittelfinger auszustrecken. Mein Verhalten zeigt Wirkung und sie verlässt mein Abteil - immerhin...

Es sind die kleinen Alltagserfahrungen, die mir immer wieder aufs Neue die Omnipräsenz der Generation Doof vor Augen führen. Doch eine Hoffnung bleibt: Der Minipli war irgendwann auch verschwunden.


Sonntag, 18. Mai 2008

MEINE AUGEN!!! ÄHM... OHREN!!!

Völlig apathisch starre ich meinen Bildschirm an. Ich sehne mich danach, die Erfahrung der letzten gefühlten 152 Stunden zu verarbeiten. Doch es gelingt mir nicht. Noch immer hallen die Worte in meinen Ohren. WAS ZUR HÖLLE WAR DAS?!

Es war eine ehemalige Kollegin, die mich zu meiner Überraschung "super-spontan" besucht hat. Sie "wollte einfach nur wissen, was ich so treibe". Ach wirklich? Warum hat dann die ganze Zeit hindurch nur SIE geredet?!

Frauen reden zu viel. Punkt. Zum Beispiel gestern, die dicke Frau mit den riesigen, hässlichen Ohrringen an der Backtheke, die sich - bevor sie das Weizenmischbrot kauft - erst mit der Verkäuferin über Korrelationen zwischen Sauerteig und Diarrhö unterhält. Herzlichen Dank auch! Oder letzte Woche, die Telefonistin des T-Online-Kundenservice, die mir erzählt, dass sie auch mal in Rheinland-Pfalz gelebt hat, und dass Mainz so unheimlich viele nette Cafés hätte. Wen interessiert das?! Und zu guter Letzt die Frau am MacDonalds-Tresen, die mir - bevor sie meine Panini-Sammelbilder zum Menü legt - ihren Stress in der Systemgastronomie klagt und sich dabei hektisch die vom Frittierfett triefenden Finger an ihrer versifften Wir-sind-ein-Team-Uniform abwischt. Lecker...

Es ist ein Phänomen, das wissenschaftlich differenzierter untersucht werden sollte. Aber es traut sich keiner, weil Alice Schwarzer und zweihundert weitere Frauenrechtlerinnen mit großzügiger Beinbehaarung uns die dicke Jubiläumsausgabe der EMMA um die Ohren hauen würden. Wie auch immer, ich stelle meine ehemalige Kollegin als Probantin zu Verfügung.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Oh - mein - Gott!

In den letzten Wochen wurde es still. Der Grund hierfür war weniger die Geburtstagsdepression, sondern vielmehr die Feststellung, dass selbst nach dem erfolgreichen Start in ein neues Singlejahr nicht alles in meinem Spießer-auf-dem-Papier-Leben interessant genug für einen Blogeintrag ist. Die Tage und Wochen schossen wahllos an mir vorüber, ohne dass auch nur ein zynischer Gedanke meinen Weg kreuzte. Ein erschreckender Zustand...

Doch ich bin zurück. Das Zauberwort heißt Fortbildung, genauer gesagt religionspädagogische Fortbildung. Die Eindrücke der letzten Tage katapultieren mich in eine geistigen Zustand irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und Wahnsinn. Drei volle Tage wurden einander Wollknäule zugeworfen, Sonnen-Kreistänze getanzt und Bärchenmandalas ausgemalt. Zu den nervtötenden Aktivitäten gesellten sich merkwürdige Menschen, die scheinbar den Blick für die Realität restlos verloren haben. Religionspädagogen lassen sich grob in drei Gruppen unterteilen:

Typ I - Der Nerd:

Dieser Typ sticht insbesondere beim gefühlten 87. Kreistanz ins Auge. Unter dem großblumig gemusterten Rock quillen Beinhaare hervor, die einem den Atem stocken lassen. Weiter oben befindet sich ein ständig grinsendes Gesicht, welches von einer streng zurück gebürsteten Knotenfrisur anmutig umspielt wird. Ich vermute, zwischen dem Grinsen und den zurück gebürsteten Haaren besteht ein Zusammenhang...

Typ II - Der Freak:

Dieser Typ Religionspädagoge läuft in Abstimmungs- und Diskussionrunden zu Höchstleistungen auf. Konträr zu Typ I lässt sich das äußere Erscheinungsbild als anti-modisch bzw. post-waldorfisch treffend beschreiben. Die Birkenstock-Schuhe Modell '92 harmonieren mit dem schlichtweg aus Pilling bestehendem Wollpullover aus der Atomkraft-Nein-Danke-Ära. Bevorzugte Sozialformen dieses Typs sind Friedenskreise und Klebepunktabfragen.

Zu meiner Überraschung findet sich unter Religionspädagogen ein weiterer Typ.

Typ III - Der Normalo:

Menschen wie du und ich, mit all ihren Macken und Zwängen, Höhen und Tiefen - und ihrem Glauben. Es ist eine äußerst beruhigende Erfahrung Menschen zu treffen, die glauben und dennoch den Blick für sich und andere wahren. Menschen, die Kreistänze und Bärchenmandalas ebenso beschissen finden wie ich, die nach zwei Stunden Lichtmeditation ausrasten, weil sie dringend eine Zigarette brauchen und die im Gottesdienst das Lachen unterdrücken müssen, wenn einer der Nerds sich mit mittelmäßigem Erfolg an liturgischen Gesängen versucht. Solche Menschen braucht es... und es gibt sie. Gott sei Dank.

Ich widme mich meiner letzten Zigarette für heute und bin guten Mutes. Ich bin wieder da. Die Generation Doof hat mich wieder. Auf zu neuen Taten.