Mittwoch, 9. April 2008

Herzlichen Dank auch, Frau Wurstfachverkäuferin!

Tusch! Heute offenbare ich der Welt, was mich wirklich bewegt. Es wird Zeit... und Blogs sind schließlich dazu da. So war es geplant.

Warum? Morgen steht ein Geburtstag an - meiner. Und ich spüre, wie mich der Gedanke daran subversiv bis ins Mark erschüttert. Während die Prä-Generation Doof das Älterwerden im Kreise der/des Angeheirateten, der beiden Kinder (m/w) und der Hauskatze Puschel überschwänglich zelebriert hat, wird der Endzwanziger-Single von Heute alle 365/66 Tage in tiefste Depressionen gestürzt. Auch die Versuche dem Unvermeidbaren mit trendigen 80er-, Bad Taste- oder Nutten- und Zuhälterparties entgegen zu wirken bleiben meist erfolglos.

Dass die meisten Mitmenschen aus der Generation Doof einen gravierenden Mangel an emotionaler Intelligenz aufweisen, treibt die Pein ins Unermessliche: Da ist die Wurstfachverkäuferin, der man nach ihrem "Schönen Tag noch!" die 4 Scheiben Salami fürs Abendbrot am liebsten um die Ohren hauen würde, die Kollegen, die dir einen Gruß an die "Familie" mit nach Hause geben und natürlich der Möbelhausangestellte, der den Hülsta-Katalog '82 heraus kramt, um dir anschließend zu sagen, dass Einzelbetten einfach nicht mehr im Trend liegen. Jackpot.

Ich weiß, in einigen Tagen sieht die Welt wieder schön, bunt und lustig aus. Aber bis es soweit ist bleibe ich sauer. Jawohl.

Dienstag, 8. April 2008

Raus aus der Frauentausch-Falle!

Ich hatte sie alle: Zweger, Saalfrank, Pooth, Int-Veen, zwei Supermamas, zehn Container-Flachbirnen und mindestens 500 Jamba-Schnuffel. Mein Selbstversuch der letzten 24 Stunden macht das Fernsehen für mich in etwa so sympathisch wie ein Ohrfurunkel. Nachdem die sechste Schockzigarette verdaut ist, beginne ich Stück für Stück zu realisieren, wie wir zur Generation Doof evolvieren konnten und das ultimative Feindbild formt sich vor meinem inneren Auge: Doku-Soaps.

Doku-Soaps werden für Fernsehsender dann interessant, wenn Gerichtsshows und Lifestyle-Magazine zur HartzIV-Primetime keine Quote mehr erzielen. Sie treffen den Nerv der breiten Masse: Grenzdebile Vollproleten lassen sich rund um die Uhr auf 150qm Containerwohung bespannen, der elfjährige Kevin darf dank Supermamas nur noch drei Stunden pro Tag Counterstrike zocken und Familie Kleinschmidt hat ihre 500.000€ Handyschulden bis zum Jahr 2178 abbezahlt. Deutschland klatscht Beifall.

Ich auch. Huch? Hat das Proletenfersehen mich assimiliert? Ich fürchte ja, denn ich ertappe mich, als ich auf qvc.de mit einem Twinset Glanzjogginganzüge liebäugele. Ich brauche dringend eine Dosis "Lesen!" mit Elke Heidenreich.

Montag, 7. April 2008

Wie komme ich an?

Der Grundstein ist gelegt, meine guten Vorsätze stehen und nichts und niemand kann meinen Worten entfliehen. Doch was will die Generation Doof überhaupt hören? Viel wichtiger: Was kann sie überhaupt noch hören?

Die Zeiten sind härter geworden. Wer heutzutage keine Aufmerksamkeitsstörung vorweisen kann, gerät schnell ins gesellschaftliche Abseits. Wo früher auf dem Schulhof Glitzersticker getauscht wurden, wird heute um die Tagesdosis Methylphenidat gespielt. Dort, wo früher die Namen Lisa, Britta, Inga, Ole, Bosse und Lasse ausreichend waren, müssen heute 400 Pokemon mit dazugehörigen Kraftpunkten und Spezialattacken verinnerlicht werden.

Es bleibt kein Platz mehr für die GROßEN Dinge des Lebens. Menschen aus der Generation Doof werden unruhig, wenn nach sieben Minuten Wagner-Oper immer noch kein Jamba-Frosch über die Bühne gerannt ist. Sie werden unsicher, wenn der Nachrichtensprecher komplizierte Begriffe wie Bruttoinlandsprodukt oder Vermittlungsausschuss benutzt.

Die gesellschaftliche Ausgangssituation ist bescheiden - respektive beschissen. Die Wege zum Erreichen meiner Ziele müssen überdacht werden, sie müssen innovativ und hip sein. Und ich weiß auch schon, an welcher Stelle ich sie finden werde: Im Proletenfernsehen.

Sonntag, 6. April 2008

Danke, Captain Picard

Wer hätte gedacht, dass mich mein neues Generation-Halbstaffel-Hobby in eine existentielle Krise locken würde?! Dass die Säulen meines Spießer-auf-dem-Papier-Lebens bereits nach zwei Blogeinträgen ins Wanken geraten würden? Dass ich meinen Weg hierher zurück gefunden habe, verdanke ich zwei Dingen: Einer um 33% reduzierten Flasche französischen Tafelwein und meiner Single DVD-Sammlung...

Die Crew der Enterprise war einmal wieder in einer temporalen Anomalie gefangen, in der sich die Ereignisse des Weltraumalltags immer und immer wiederholten. Gefangen in der ständig wiederkehrenden Trivialität des täglichen Lebens. Obwohl es sich zu meinem Bedauern um eine der späteren Episoden handelte, in der Diana Troy einen Hosenanzug anstelle des knappen Minis trägt, wurde ich in der 38. Minute wie vom Blitz getroffen. Eine scheinbar nichtige Kursänderung reißt die Besatzung heraus aus ihrem Verderben. Die totale Manifestation des Butterfly-Effects.

Als ich in zwangsneurotischer Synchonität zum Abspann meine Zigarette ausdrücke, hallen die Worte Jean-Lucs noch in meinen Ohren: MAKE IT SO. Und ich werde es tun. Voller Tatendrang zeige ich der Welt, was die Generation Doof zu bieten hat. Blog sei Dank!

Und danke, Captain Picard.

Bloggen macht Freude

Und ich meine das ehrlich. So bald der erste Eintrag auf dem Hochglanzdisplay flackert, stellt sich ein Gefühl tiefster Zufriedenheit ein. Man möchte mehr davon. Fast wie damals, als sich die hochnäsige Priscilla (manche Eltern schrecken vor nichts zurück...) an unserer Abiturfeier über ihren 2000 Mark Gucci-Fummel gekotzt hat. Wie bereits gesagt: FAST wie damals...

Bloggen befreit das Wesen. Das Über-Ich hat keine Chance, und das Es errötet vor Scham. Freud hätte sicherlich nur noch gebloggt, wäre es ihm in seiner Zeit möglich gewesen. Schade eigentlich, ich hätte den Feed abonniert.

Doch warum realisiere ich das erst jetzt? Die unzähligen Abende, an denen ich zum x-ten Mal mit Captain Jean-Luc Picard die "final frontier" durchbrochen habe erscheinen mir plötzlich so vergeudet. Ich halte kurz inne (...), ziehe an meiner Zigarette und - mich beschleicht ein mulmiges Gefühl.

Ist Bloggen die neue Droge der Generation Doof? Gehören sinnlose Besäufnisse und Pöbeleien Halbwüchsiger am Hauptbahnhof nun der Vergangenheit an? Spürt sich unsere Jugend nur noch, wenn sie drittklassige Videos von Youtube verlinkt? Fragen über Fragen schießen durch meinen Kopf. Ich flüchte und schiebe die nächste Halbstaffel TNG in den DVD-Player. Für heute habe ich fertig gebloggt.

Samstag, 5. April 2008

Die NEUE Generation Doof

Ok, hier ist er... Der erste Eintrag. Warum? Nun ja, als Teil der Generation Doof ist der Blog zur unerlässlichen Pflicht geworden. Die Zeiten, in denen man jeden Abend fein säuberlich den Schlüssel zum Herzchen-Schloss seines privaten Tagebuchs unterm Kopfkissen hat verschwinden lassen sind vorbei. Die Generation Doof prostituiert sich, kehrt ihr Innerstes nach außen und zeigt der Welt was WIRKLICH in ihr vorgeht. Die Tabus sind gebrochen. Endlich!

Endlich kann jeder seine vorsintflutliche falsche Scheu ablegen und im Netz detailliert über sein ach so cosmopolitisches Intimleben berichten: Über das verkorste erste Mal mit 11 3/4, den ersten Spaziergang mit dem sechs Wochen alten süßen Bordercollie-Welpen, der dem nevigen Herrn Müller von nebenan die Einfahrt verschissen hat oder das Gefühlschaos nach dem Finale der 8. Deutschland sucht den Super-Arschkriecher-Staffel.

Ja, das Leben ist wesentlicher einfacher und entspannter geworden, seitdem die Generation Doof das Ruder in der Hand hat. Doch wie lange noch? Was kommt als nächstes? Generation Raucherdiskriminierung? Generation Halbstaffel? Generation White Trash? Ach nein, die hatten wir ja schon....

Wie auch immer. Ich zünde mir entspannt meine nächste Zigarette an und fühle mich gut. Ab heute gehöre ich endgültig dazu. Ich bin ein Teil des wirklich Wichtigen geworden, indem ich aller Welt Einblicke gewähre, die in China weitere Reissäcke zum Umfallen animieren werden.

Nun denn, auf in neue Welten...