Mittwoch, 28. Mai 2008

Bitches im Club

Ich bin leicht betrunken. Und das ist gut so. Ich zünde mir eine Zigarette an und fülle meine Lungenflügel mit dem blauen Dunst. Herrlich! In einer Generation Doof Gesellschaft, in der sich Raucher mittlerweile in dunkle Ecken hinter dem "Convenient Centre" am Bahnhof flüchten müssen, um ihre Sucht zu befriedigen, sind das die Momente, die einen Erfahrung wie die Folgende verarbeiten lassen.

Welcher grenzdebile Vollidiot hat eigentlich Handyspeaker erfunden? Nach Minipli-Frisuren, Leoparden-Optik Leggins und Paillettenpullover sind Handyspeaker das neue, ultimative Grauen, das unsere Gesellschaft an den Rand des Abgrunds treibt - und darüber hinaus. Sie sind überall: In der Bahn, im Straßencafé, sogar aus der versifften McDonalds-Klokabine dröhnt Berliner HartzIV-Hip-Hop. Meist sind es pubertierende Gehwegschlampen, die ständig Gefahr laufen, sich mit ihren Zwei-Meter-Creolen in der Zahnspange zu verfangen.

Nachdem ich nach ca. zehn Minuten Bahnfahrt gefühlte 100 mal eine Textzeile über Bitches im Club hab über mich ergehen lassen, frage ich bei der Bordsteinschwalbe in Spe höflich nach, ob sie die gequirlte Scheiße leiser drehen könnte. Sie wird ausfällig und beschimpft mich mit einem äußerst originellen "Fick dich, Alter!".Wo zur Hölle ist eigentlich Katja Saalfrank, wenn man sie braucht?! Ich denke kurz darüber nach, das Corpus Delicti aus dem Kippfenster zu werfen, entscheide mich aber dazu Größe zu zeigen und den guten alten Mittelfinger auszustrecken. Mein Verhalten zeigt Wirkung und sie verlässt mein Abteil - immerhin...

Es sind die kleinen Alltagserfahrungen, die mir immer wieder aufs Neue die Omnipräsenz der Generation Doof vor Augen führen. Doch eine Hoffnung bleibt: Der Minipli war irgendwann auch verschwunden.


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