In den letzten Wochen wurde es still. Der Grund hierfür war weniger die Geburtstagsdepression, sondern vielmehr die Feststellung, dass selbst nach dem erfolgreichen Start in ein neues Singlejahr nicht alles in meinem Spießer-auf-dem-Papier-Leben interessant genug für einen Blogeintrag ist. Die Tage und Wochen schossen wahllos an mir vorüber, ohne dass auch nur ein zynischer Gedanke meinen Weg kreuzte. Ein erschreckender Zustand...
Doch ich bin zurück. Das Zauberwort heißt Fortbildung, genauer gesagt religionspädagogische Fortbildung. Die Eindrücke der letzten Tage katapultieren mich in eine geistigen Zustand irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und Wahnsinn. Drei volle Tage wurden einander Wollknäule zugeworfen, Sonnen-Kreistänze getanzt und Bärchenmandalas ausgemalt. Zu den nervtötenden Aktivitäten gesellten sich merkwürdige Menschen, die scheinbar den Blick für die Realität restlos verloren haben. Religionspädagogen lassen sich grob in drei Gruppen unterteilen:
Typ I - Der Nerd:
Dieser Typ sticht insbesondere beim gefühlten 87. Kreistanz ins Auge. Unter dem großblumig gemusterten Rock quillen Beinhaare hervor, die einem den Atem stocken lassen. Weiter oben befindet sich ein ständig grinsendes Gesicht, welches von einer streng zurück gebürsteten Knotenfrisur anmutig umspielt wird. Ich vermute, zwischen dem Grinsen und den zurück gebürsteten Haaren besteht ein Zusammenhang...
Typ II - Der Freak:
Dieser Typ Religionspädagoge läuft in Abstimmungs- und Diskussionrunden zu Höchstleistungen auf. Konträr zu Typ I lässt sich das äußere Erscheinungsbild als anti-modisch bzw. post-waldorfisch treffend beschreiben. Die Birkenstock-Schuhe Modell '92 harmonieren mit dem schlichtweg aus Pilling bestehendem Wollpullover aus der Atomkraft-Nein-Danke-Ära. Bevorzugte Sozialformen dieses Typs sind Friedenskreise und Klebepunktabfragen.
Zu meiner Überraschung findet sich unter Religionspädagogen ein weiterer Typ.
Typ III - Der Normalo:
Menschen wie du und ich, mit all ihren Macken und Zwängen, Höhen und Tiefen - und ihrem Glauben. Es ist eine äußerst beruhigende Erfahrung Menschen zu treffen, die glauben und dennoch den Blick für sich und andere wahren. Menschen, die Kreistänze und Bärchenmandalas ebenso beschissen finden wie ich, die nach zwei Stunden Lichtmeditation ausrasten, weil sie dringend eine Zigarette brauchen und die im Gottesdienst das Lachen unterdrücken müssen, wenn einer der Nerds sich mit mittelmäßigem Erfolg an liturgischen Gesängen versucht. Solche Menschen braucht es... und es gibt sie. Gott sei Dank.
Ich widme mich meiner letzten Zigarette für heute und bin guten Mutes. Ich bin wieder da. Die Generation Doof hat mich wieder. Auf zu neuen Taten.
4 Kommentare:
Das wurde ja auch mal Zeit... ;-)
Sehr schön beschrieben!
es ist alles gesagt wa sgesagt werden muss.. ER ist wieder da.
endlich! :-]
hmm... jetzt hab ich doch angst religionspädagogik zu studieren...
na hoffentlich klappt das mit sozialer arbeit. typ 1 bin ich aber shconmal nicht, dafür fehlt mir das nötige bein-fell ;-)
lang lebe das epiliergerät!!!
Kommentar veröffentlichen